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Eingestellt: 07.12.20 | Besuche: 3272

Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2020 online: Vertrauen oder Skepsis gegenüber Wissenschaft und Forschung?

Seit knapp einem Jahr verändert die Corona-Pandemie unser aller Zusammenleben. Die Wissenschaft spielt in der Bekämpfung der Pandemie und für die Lösung der damit einhergehenden gesellschaftlichen Herausforderungen eine zentrale Rolle. Forschende sind daher in den letzten Monaten verstärkt in den öffentlichen und politischen Fokus gerückt. Wie wirkt sich dies auf die Wahrnehmung von Wissenschaft und Forschung in der Öffentlichkeit aus? Steigt das Ansehen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern? Wie nehmen die Bürgerinnen und Bürger aktuell die Kommunikation aus der Forschung wahr?

Antworten darauf liefert das Wissenschaftsbarometer 2020. Bereits im Frühjahr wurde mit einem Corona Spezial des Wissenschaftsbarometers die öffentliche Meinung zu Wissenschaft und Forschung zu Beginn der Corona-Pandemie beleuchtet. Nun liefert das Wissenschaftsbarometer erneut aktuelle Ergebnisse, ermöglicht die Beobachtung von zeitlichen Entwicklungen und gibt einen umfassenden Einblick in die Einstellungen der deutschen Bevölkerungen zu Wissenschaft und Forschung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Gefördert wird das Wissenschaftsbarometer von der Robert Bosch Stiftung und unsterstützt von der Fraunhofer-Gesellschaft.

Interesse an Forschung stabil

Das grundsätzliche Interesse der Menschen an Wissenschaft hat sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht verändert. Ähnlich wie in den Vorjahren bekunden 60 Prozent eher oder sehr großes Interesse an Wissenschaft und Forschung. Damit ist das Interesse daran größer als an Politik (49 Prozent) und geringer als an Lokalem (68 Prozent).

Klassische Nachrichtenmedien wichtige Informationsquellen im Netz

Vier von fünf Deutschen informieren sich im Netz über Wissenschaft und Forschung. 57 Prozent davon nutzen dafür häufig oder sehr häufig Websites oder Mediatheken von klassischen Nachrichtenmedien wie Zeitungen, Magazinen oder Fernsehsendern. Im Jahr 2018 waren es 41 Prozent. Eine deutlich geringere Bedeutung haben die sozialen Medien. 2020 geben 15 Prozent derjenigen, die sich online über Wissenschaft und Forschung informieren, an, dass sie diese häufig oder sehr häufig nutzen. 2018 waren es noch 16 Prozent.

Vertrauen in Wissenschaft und Forschung 

Das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung allgemein bleibt hoch. Aktuell geben 60 Prozent der Befragten an, Wissenschaft und Forschung eher oder voll und ganz zu vertrauen. Dieser Wert liegt unter denen der beiden Erhebungen des Wissenschaftsbarometer Corona Spezial im Frühjahr 2020, die im Mai bei 66 Prozent und im April bei 73 Prozent lagen. Der aktuelle Wert ist aber höher als die Werte der Wissenschaftsbarometer-Befragungen in den Vorjahren. Es fällt auf, dass in allen Surveys des Jahres 2020 der Anteil der Unentschiedenen geringer ist, als in den Vorjahren. Stabil bei niedrigen Werten bleibt dagegen der Anteil der Befragten, die angeben eher nicht oder nicht zu vertrauen.

Gründe für Vertrauen und Misstrauen

Deutlich mehr Menschen als im Vorjahr, 62 Prozent der Befragten, gaben an, dass die Einhaltung von Regeln und Standards durch Wissenschaftler für sie ein Grund sei, diesen zu vertrauen. 2019 lag dieser Wert bei 52 Prozent. 70 Prozent stimmten zu, dass für sie ein Grund für Vertrauen sei, dass Wissenschaftler Experten auf ihrem Feld sind. Auch dieser Wert liegt höher als im vergangenen Jahr, in dem 66 Prozent diesem Grund zustimmten. 44 Prozent der Befragten stimmen aktuell zu, dass ein Grund für Vertrauen in Wissenschaftler sei, dass diese im Interesse der Öffentlichkeit forschen. Im Vorjahr waren es 43 Prozent.

Als Grund, warum man Wissenschaftlern misstrauen kann, stimmten die meisten der Befragten der Abhängigkeit von den Geldgebern zu. Allerdings lag der Anteil derjenigen, die dem eher oder voll und ganz zustimmen, mit aktuell 49 Prozent deutlich niedriger als im Vorjahr (64 Prozent). Ähnlich ist der Rückgang der Zustimmung zur Aussage, dass Wissenschaftler oft ihre Ergebnisse ihren eigenen Erwartungen anpassen. Hier stimmen aktuell 25 Prozent der Befragten zu, in 2019 waren es 39 Prozent.

Vertrauen in Aussagen zu Corona

Geht es um Aussagen zu Corona so genießen Ärzte und medizinisches Personal das höchste Vertrauen bei den Befragten, denen 80 Prozent eher oder voll und ganz vertrauen. Den Aussagen von Wissenschaftlern vertrauen 73 Prozent. Die Werte sind nahezu unverändert gegenüber denen vom Frühjahr. Ein starker Rückgang ist dagegen beim Vertrauen in die Aussagen von Politikern zu Corona zu verzeichnen.

Wissenschaftsbasierte Politik im Umgang mit Corona 

77 Prozent der Befragten wollen, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Bei den Erhebungen des Wissenschaftsbarometer Corona Spezial im April 2020 erklärten dies 81 Prozent, im Mai 2020 waren es 73 Prozent. Gestiegen ist die Zahl derer, die sagen, dass Wissenschaftler sich aus der Politik heraushalten sollen. Im November 2020 sehen 42 Prozent der Befragten es nicht als Aufgabe von Wissenschaftlern an, sich in die Politik einzumischen. Im April 2020 erklärten dies lediglich 32 Prozent.

Skepsis gegenüber Wissenschaft in der Corona-Pandemie

Wenn auch  das Vertrauen in Wissenschaft und Forschung allgemein hoch ist und die Mehrheit der Befragten (66 Prozent) die aktuellen Corona-Maßnahmen als angemessen betrachtet, so zeigt das Wissenschaftsbarometer 2020 auch skeptische Positionen gegenüber der Pandemie, dem Umgang damit und der Rolle der Wissenschaft dabei. Rund 40 Prozent der Befragten stimmen zu, dass Wissenschaftler uns nicht alles sagen, was sie über das Coronavirus wissen. Ebenso viele sagen, dass es wichtig ist, seine Informationen dazu auch von außerhalb der Wissenschaft zu beziehen. Knapp 30 Prozent stimmen zu, dass die Corona-Pandemie zu einer größeren Sache gemacht wird, als sie ist. 15 Prozent der Befragten sind sogar der Meinung, dass es keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Coronavirus gibt. Auch wenn sich mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten sich wahrscheinlich impfen lassen werden, wenn es im nächsten Jahr einen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gibt, so sagen auch knapp 30 Prozent, das sei unwahrscheinlich.

Hintergrund

Das Wissenschaftsbarometer ist eine bevölkerungsrepräsentative Meinungsumfrage. Es betrachtet seit 2014 die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers 2020 basieren auf 1.016 Telefoninterviews (Festnetz/Mobilfunk, 80:20), die vom 3. bis zum 9. November 2020 im Rahmen einer Mehrthemenumfrage von Kantar – im Auftrag von Wissenschaft im Dialog – geführt wurden. Als Grundgesamtheit diente die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 14 Jahren. Das Wissenschaftsbarometer 2020 ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog. Förderer und Unterstützer sind die Robert Bosch Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft. 

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