
Inwieweit sind schriftliche Dissertationen noch sinnvoll und was wäre die Alternative? Wer promoviert, liefert als Nachweis seiner wissenschaftlichen Kompetenzen und Originalität eine schriftliche Dissertation ab. So ist in der Regel die derzeitige Promotionspraxis. Doch braucht eine Promotion noch eine Dissertation oder können nicht auch weitere Evidenzformen entsprechende Aussagekraft haben, fragt der Medizinhistoriker Prof. Dr. Nils Hansson.
In Teilen der Ingenieurwissenschaften scheint dies bereits probate Praxis zu sein. In China wurden etwa unlängst elf Ingenieure promoviert, indem sie funktionierende Prototypen aus neuartigen Stahlmodulen verteidigten: Kein Manuskript, aber ein Prototyp. Diese Entwicklung lege eine strukturelle Spannung offen, die durch den Fortschritt Künstlicher Intelligenz noch verschärft, werde, so Hansson: „Wenn Texte leichter reproduzierbar werden, verschiebt sich der Fokus zwangsläufig auf jene Kompetenzen, die sich nicht delegieren lassen.“
Und weiter: „Hochschulpolitisch entscheidend ist daher nicht die Frage, ob man ohne Schreiben promovieren darf. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Wie definieren wir wissenschaftliche Qualifikation unter veränderten technologischen Bedingungen?“