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Jahrzehntelang haben Universitäten den Austausch zwischen amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern gefördert, der für ein differenzierteres Verständnis des jeweils anderen Landes und für Fortschritte in der Forschung unerlässlich war. Doch schon vor der COVID-19-Pandemie hat die zunehmende Repression Pekings diese Überlegungen erschwert. Während sich die Beziehungen zwischen den USA und China weiter verschlechtern, sehen sich die Universitäten mit heiklen Fragen zu akademischer Freiheit, Zensur und Forschungssicherheit konfrontiert und diskutieren darüber, welche Arten von Partnerschaften unter den derzeitigen Bedingungen möglich und sinnvoll sind.
"Ich glaube, viele Universitätsverwaltungen haben schwierige Entscheidungen über Kooperationen hinausgezögert, weil sie hofften, dass sich die Dinge unter der Regierung Biden oder mit der Wiederöffnung Chinas vielleicht bessern würden", sagte Mary Gallagher, die Leiterin des Internationalen Instituts an der University of Michigan. "Das scheint nicht der Fall zu sein. Ich denke, dass es für die amerikanischen Universitäten nur noch schwieriger werden wird", fügte sie hinzu.
Die Universitäten stehen vor einem "grundlegenden Dilemma", erläuterte Jacques deLisle, der Direktor des Zentrums für das Studium des zeitgenössischen Chinas an der Universität von Pennsylvania. Einerseits sei es wichtig, einen offenen akademischen Austausch zu pflegen und das Verständnis zu stärken. Andererseits gebe es ein verständliches - und zwingendes - Argument dagegen, Partnern, die anderen Werten oder Normen folgen, zu erlauben, die Inhalte gemeinsamer Programme zu diktieren.
Die zunehmend harte Haltung Washingtons gegenüber China hat diesen Druck noch verstärkt. Ein wichtiges Beispiel ist die inzwischen eingestellte China-Initiative der Trump-Administration, ein Programm, das den Diebstahl von geistigem Eigentum eindämmen sollte, aber letztlich eine abschreckende Wirkung auf asiatisch-amerikanische Forscher ausübte. Einige Politiker drängen die Universitäten, noch weiter zu gehen und die akademischen Beziehungen zu kappen. Letzten Monat brachten Gesetzgeber in Ohio einen Gesetzentwurf ein, der den akademischen oder finanziellen Austausch mit chinesischen Universitäten verbieten würde - einschließlich Forschungsfinanzierung und Auslandsstudienprogramme. Der texanische Gesetzgeber hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der es öffentlichen Universitäten verbieten würde, chinesische Staatsbürger zuzulassen.
Experten warnen, dass nicht nur der akademische Bereich und die Forschung unter dem Verlust von Talenten leiden werden. Da China den politischen Diskurs in den USA immer mehr dominiert, könnte ein Rückzug der Universitäten auch geopolitische Folgen haben.
