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Strengere Visaauflagen, höhere Gebühren bis hin zu Ausweisungen: Im Angesicht geopolitischer Verschiebungen wächst offensichtlich die Skepsis gegenüber internationalen Studierenden. Die Beweggründe sind dabei je nach Land unterschiedlich
Dass sich die Bedingungen, politischen Strategien und Prioritäten ändern, betreffe vor allem die „Big Four“ – die USA, Australien, Kanada und das Vereinigte Königreich –, die mehr als 40 Prozent des Weltmarkts der international Studierenden unter sich aufteilen, so Britta Baron, die unter anderem Leiterin der DAAD-Außenstelle USA/Kanada war.
Während in den USA vornehmlich die MAGA-Bewegung eine übermäßige Präsenz von AusländerInnen an den Unis vermeiden will, sah sich die kanadische Regierung von der Krise des Wohnungsmarktes zur radikalen Reduzierung internationaler Studierender im Land veranlasst. Statt 550.000 soll ihre Zahl jetzt nur noch bei 180.000 liegen, schreibt Baron.
Auch Australien will den ungehinderten Zuzug ausländischer Studierender regulieren und aus den Ballungszentren in schwächer besiedelte und wirtschaftlich weniger entwickelte Regionen umleiten. Die britische Regierung will dagegen die eh schon exorbitanten Studienkosten für AusländerInnen durch eine zusätzliche Gebühr erhöhen. Von der neuen Orientierung profitieren einige bisher auf dem Weltmarkt für ausländische Studierende nur schwach vertretene Länder wie China, Südkorea, Hongkong, Malaysia oder die Vereinigten Arabischen Emirate.
Zum Gastbeitrag "Die neue Geografie des Ausländerstudiums" im Blog von Jan-Martin Wiarda
„Wenn andere ihre Türen für internationale Talente schließen, können und sollten wir sie öffnen.“ Jetzt habe Deutschland die Chance, zum Studienziel Nummer eins für Studierende aus aller Welt zu werden, meint DAAD-Generalsekretär Kai Sicks
Während in Ländern wie den USA, dem Vereinigten Königreich, Kanada und Australien immer mehr politische Barrieren gegen internationale Studierende errichtet werden, könnte dies eine „historische Chance“ für deutsche Universitäten sein, so Sicks. Schließlich gelte im globalen Wettbewerb um herausragende Talente in allen Technologie- und Wissenschaftsfeldern „Survival of the Friendliest“.
Wer in internationale Studierende investiert, ist Sicks überzeugt, investiert in mehrerer Hinsicht gut. Zum Einen blieben viele dann gut ausgebildete Studierende nach ihrem Abschluss und stärkten als hochqualifizierte Fachkräfte die deutsche Wirtschaft und die Vielfalt der Gesellschaft. Diejenigen, die in ihre Heimatländer zurückkehren, wirkten als BotschafterInnen Deutschlands und BrückenbauerInnen. Das schaffe zugleich globale strategische Netzwerke, auf die Deutschland künftig mehr denn je angewiesen ist.
Zum Beitrag "Survival of the Friendiest" des Deutschen Akademischen Austauschdiensts
