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Eingestellt: 26.10.26

Humanoide Roboter für den Alltag: Tamim Asfour erhält Greve-Preis der Leopoldina

Humanoide Roboter, die im Haushalt, in der Pflege oder in der Industrie komplexe Aufgaben übernehmen und dabei vom Menschen und aus eigener Erfahrung lernen: Daran forscht Tamim Asfour seit über 25 Jahren. Mit seinem Team am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat er die ARMAR-Familie humanoider Roboter entwickelt, von ARMAR-I, einem der ersten humanoiden Roboter Europas, bis zum heutigen ARMAR-7 – ihren Körper ebenso wie ihre Intelligenz. Der Ingenieur und Informatiker gilt international als einer der führenden Vertreter der Robotik und verkörperten Künstlichen Intelligenz. Für seine Forschungsleistungen auf dem Gebiet der humanoiden Robotik zeichnet die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina Tamim Asfour nun mit dem Greve-Preis 2026 aus. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis wird von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve gestiftet.

„Die Forschung von Tamim Asfour zeigt eindrucksvoll, wie aus interdisziplinärer Spitzenforschung konkrete Zukunftstechnologien entstehen“, sagt Leopoldina-Präsidentin Bettina Rockenbach. „Sein Ansatz führt Mechatronik, Informatik, Wahrnehmung, Lernen und Künstliche Intelligenz zu integrierten Systemen zusammen und eröffnet neue Perspektiven für den Einsatz humanoider Roboter in Alltag und Arbeitswelt.“

Humanoide Roboter können durch spektakuläre Bewegungen wie Purzelbäume oder Saltos Aufmerksamkeit erregen. Tamim Asfours Forschung gilt einer weit anspruchsvolleren Frage: Wie können Roboter in realen Umgebungen Gegenstände greifen und manipulieren, komplexe Aufgaben ausführen und dabei vom Menschen und aus eigener Erfahrung lernen? Dazu entwickelt Asfour kognitive humanoide Roboter als ganzheitliche Systeme aus Hardware und Software, die Wahrnehmung, Bewegungssteuerung, Handlungsplanung, Lernen und Interaktion integrieren. In Experimenten unterstützen ARMAR-III und ARMAR-7 Menschen im Haushalt, ARMAR-6 assistiert bei Wartungs- und Reparaturaufgaben.

Seine Arbeiten folgen dem Ansatz der verkörperten Künstlichen Intelligenz (Embodied AI): Damit Robotersysteme eines Tages selbstständig in Haushalten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder industriellen Umgebungen arbeiten können, benötigen sie einen Körper, der mit der Welt interagiert, sowie eine Intelligenz, die aus dieser Interaktion lernt. Asfour entwickelte eine kognitive Roboterarchitektur mit einem episodischen Gedächtnis, das Robotern ermöglicht, Erfahrungen zu speichern, abzurufen und in natürlicher Sprache zu beschreiben. ARMAR-7 kann zum Beispiel die Frage beantworten, was er am Morgen in der Küche gesehen hat, und dabei Gegenstände, Handlungen und Ereignisse aus eigener Erfahrung beschreiben. Dies gilt als Meilenstein der Grundlagenforschung auf dem Weg zu tatsächlich kognitiven Robotern mit verkörperter Intelligenz, die schrittweise aus Interaktion lernen.