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Eingestellt: 02.02.26

Kiewer Universität richtet mitten im Krieg einen Studiengang zu Russland ein

An der National University of Kyiv-Mohyla Academy in Kiew haben die Dozenten Maksym Jakowljew und Anton Suslov zum Wintersemester 2025/26 einen Studiengang über Russland gestartet. Ziel ist es, russische Außenpolitik, Sicherheitsdienste, Wirtschaft und die Desinformation von russischer Seite systematisch zu analysieren. Die Idee war umstritten, da an ukrainischen Hochschulen offiziell ausschließlich Ukrainisch gesprochen werden soll.

Jakowljew beschreibt den Anstoß so: "Anfang 2025 haben mein Forscherkollege Anton Suslov und ich uns gedacht, dass bei uns in der Ukraine an allen Hochschulen eines fehlt: ein Studiengang über Russland. Klassische Slawistikstudien beschäftigen sich zwar intensiv mit russischer Literatur oder Kultur, aber nicht mit russischen Geheimdiensten, Moskaus Außenpolitik oder Wirtschaft."

Trotz Widerständen im Wissenschaftsrat kam das Projekt zustande, auch mit Unterstützung aus dem Sicherheitsapparat. Unterrichtet wird auf Ukrainisch, russische Quellen müssen die Studierenden aber lesen können. Der Lehrbetrieb findet unter Kriegsbedingungen statt. Jakowljew sagt: "Nur wenn der Luftalarm den ganzen Tag dauert, weichen wir auf Onlineunterricht aus – soweit es Internet und Strom für die Computer gibt."

Zum Artikel "Lerne deine Feinde kennen" in der Süddeutschen Zeitung