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Eingestellt: 26.05.26

Schließung der liberal ausgerichteten Bilgi-Universität in Istanbul angeordnet und nach Protesten von Studierenden vorerst zurückgenommen

Ein Dekret entzog der privaten Hochschule mit mehr als 20.000 Studierenden zunächst die Betriebsgenehmigung. Begründet wurde der Schritt offiziell mit einem "unzureichenden" Bildungsniveau. Die 1996 gegründete Universität nimmt am Erasmus-Programm der EU teil und gilt als international ausgerichtet. Zuletzt stand sie wegen Vorwürfen von Geldwäsche und Steuerbetrug unter staatlicher Aufsicht.

"Die Schließung der prominenten Istanbuler Universität erfolgte einen Tag, nachdem die türkische Regierung massiv gegen die politische Opposition vorgegangen war", berichtete T-Online. "Am Donnerstag war der türkische Politiker Özgür Özel der Oppositionspartei CHP durch ein Gericht in Ankara abgesetzt worden."

Nach tagelangen Protesten von Studierenden nahm die Regierung die Schließung der Bilgi-Universität zurück. Studierende hatten auf die Schließung mit Mahnwachen und Protestcamps auf dem Campus reagiert, oppositionelle Medien berichteten über Polizeieinsätze und Festnahmen. Die Regierung erklärte schließlich, der Lehrbetrieb solle weiterlaufen. "Öffentlich bemühte sich die Regierung (...), den Rückzug nicht als politisches Nachgeben erscheinen zu lassen", schreibt die taz. "Erol Özvar, Präsident des Hochschulrats YÖK, erklärte, die Entscheidung sei nach einer 'sensiblen Neubewertung' durch Erdoğan angepasst worden, um Nachteile für Studierende, Familien und Universitätsmitarbeiter zu vermeiden."

Die Bilgi-Universität gilt als eine der liberalsten und internationalsten Hochschulen des Landes. "Die Härte gegen die Bilgi-Universität kann deshalb auch als Zeichen wachsender Unsicherheit gelesen werden. Erdoğan kontrolliert zwar weiterhin weite Teile des Staatsapparates, der Justiz und der Medien, und die AKP bleibt insbesondere außerhalb der großen Metropolen gesellschaftlich tief verankert. Doch gerade in den Städten verliert die Regierungspartei zunehmend die Fähigkeit, junge Menschen dauerhaft an sich zu binden", so die taz.

Zum Artikel "Lehrbetrieb geht vorerst weiter" in der taz