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Gefühlte Polarisierung. Wird die Welt konservativer? Ist die deutsche Einheit gelungen? Schon an den Titeln über Interviews mit Steffen Mau lässt sich ablesen: Der Soziologe spricht mit seiner Forschung zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen eine breite Öffentlichkeit an. Steffen Maus Analysen zu sozialer Ungleichheit, Wohlfahrtsstaat, Europäisierung, Migration, Digitalisierung, Grenzen und politischen Konflikten prägen Debatten in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit seit Jahren. Dafür zeichnen ihn die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Stifterverband nun mit dem Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis 2026 aus. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird für Beiträge zur wissenschaftlichen Bearbeitung gesellschaftlich wichtiger Herausforderungen verliehen, als deutsche Auszeichnung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der wissenschaftsbasierten Politikberatung. Die Preisverleihung findet am 3. Dezember 2026 am Hauptsitz der Leopoldina in Halle (Saale) im Rahmen der traditionellen Weihnachtsvorlesung der Leopoldina statt, die der Preisträger zum Thema „Herausforderungen des liberalen Gesellschaftsmodells“ hält.
„Steffen Mau stellt sich in seiner soziologischen Forschung der Komplexität moderner Gesellschaften, er analysiert treffend, ohne die betrachteten Prozesse vorschnell zu vereinfachen“, sagt Bettina Rockenbach, Präsidentin der Leopoldina über den diesjährigen Weizsäcker-Preisträger. „Er ist dabei weder auf enge methodische Schulen seines Fachs festgelegt noch auf kurzfristige Zeitdiagnosen“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin weiter.
„Steffen Mau zählt seit vielen Jahren zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Soziologie. Er analysiert zentrale gesellschaftliche Transformationsprozesse der Gegenwart und ordnet diese theoretisch fundiert ein. Mau vermittelt seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit in einer Weise, dass sie weit über die Grenzen des Faches hinaus Wirkung entfalten und zur Demokratieförderung beitragen“, so Melanie Maas-Brunner, Präsidentin des Stifterverbandes.
Steffen Mau verbindet in seiner Forschung die Analyse empirischer Daten mit einer historischen Einordnung und soziologischen Theorien. Im Mittelpunkt stehen die Themen soziale Ungleichheit, Wohlfahrtsstaat, Europäisierung, Migration, Digitalisierung, Grenzen und politische Konflikte. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Mau unter anderem mit seinen Arbeiten zu Grenzen und globaler Mobilität. Darin beschreibt er Grenzen nicht als Überbleibsel einer vergangenen Zeit, sondern als wirkmächtige Institutionen der Gegenwart. Diese entscheiden mit darüber, wer sich frei bewegen kann, wer Zugang zu Chancen erhält und wie Ungleichheit weltweit fortgeschrieben wird.
Ein weiteres Thema seiner Forschung ist die Frage, warum aus gesellschaftlichen Unterschieden politische Konflikte erwachsen. Mau stellt fest, dass Konflikte nicht nur entlang der Unterscheidung von Arm und Reich verlaufen. Auch Fragen von Migration, Zugehörigkeit, Geschlecht, Lebensweisen, Klima und Zukunftserwartungen können gesellschaftliche Auseinandersetzungen prägen. Dabei richtet Mau den Blick nicht nur auf Spaltung, sondern auch auf weiterhin bestehende Gemeinsamkeiten. Große Resonanz finden Maus Arbeiten zu Ostdeutschland. Er zeigt, wie tief der Umbruch nach 1989 in Lebensläufe, Institutionen und politische Einstellungen eingriff. Mit seiner Forschung trägt Mau dazu bei, die Debatte über Ostdeutschland zu versachlichen und die langfristigen Folgen von Transformation, Anerkennungserfahrungen und politischer Teilhabe besser zu verstehen.
